Prepper-Szene

Auch Rechtsextremisten warten auf den "Tag X"

Im August 2017 kam es in Mecklenburg-Vorpommern zu mehreren Hausdurchsuchungen in der „Prepper“-Szene. Den Beschuldigten – darunter auch ein Polizist – wurde vorgeworfen, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben. Die Gruppe soll in einer vermeintlich bevorstehenden Staatskrise die Chance gesehen haben, Vertreter des politisch linken Spektrums festzusetzen und mit ihren bereits beschafften Waffen zu töten. Die Beschuldigten entstammen allesamt der „Prepper“-Szene. Deren Angehörige bereiten sich unter anderem mit Lebensmitteldepots und Überlebenstrainings auf einen Zusammenbruch der staatlichen Ordnung vor. Der Begriff „Prepper“ leitet sich dabei vom englischen Verb „to prepare“ („vorbereiten“) ab.

Das Spektrum der deutschen „Prepper“-Szene ist ausgesprochen vielschichtig. Jedoch: Bei weitem nicht alle „Prepper“ sind Verschwörungstheoretiker, die täglich auf den Untergang der Zivilisation warten. Zu einem großen Teil besteht die Szene aus Bürgern, die Vorsorge treffen. Sie legen Vorräte an, um sich so auf Unwetter, Naturkatastrophen, Stromausfälle oder Bankencrashs vorzubereiten. Viele von ihnen betreiben das „Prepping“ als reines Hobby. Sie veranstalten beispielsweise Survivaltrainings, in denen die Trinkwasseraufbereitung und die Deponierung von Überlebensnotwendigem geschult werden.

Es finden sich in der „Prepper“-Szene aber auch Personen aus dem Reichsbürger-Milieu, die eine Bewaffnung als Teil der „Krisenvorsorge“ verstehen. Ebenfalls interessieren sich Rechtsextremisten für dieses Thema. Sie und Reichsbürger werden durch Sicherheitsbehörden in den Blick genommen. Die „Prepper“-Szene an sich ist kein Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes, denn selbst die Bundesregierung rät zum Anlegen von Vorräten.

Das "Vorbereitet-Sein" auf den "Endkampf" nach dem ersehnten Zusammenbruch der staatlichen Ordnung ist seit jeher Teil der rechtsextremistischen Ideologie. Durch die Flüchtlingskrise hat dieses Thema aus Sicht der Szene noch einmal besondere Brisanz erfahren. Seit Jahren beobachten Sicherheitsbehörden ein wachsendes Interesse der Szene an Kampfsport sowie an legaler und illegaler Bewaffnung. Auch Schießtrainings werden immer wieder publik. In Schulungen und Vorträgen lassen sich Neonationalsozialisten gezielt Überlebenstechniken beibringen und erproben den Bau von versteckten Erddepots. Im Fokus steht dabei jedoch weniger das Erlernen autarker Überlebensstrategien als vielmehr die Verteidigung der eigenen Gruppe gegen „ausländische Invasoren“ und andere.

Eine gezielte Beeinflussung der deutschen „Prepper“-Szene durch Rechtsextremisten ist derzeit nicht feststellbar. Das „Prepping“, das oft in Vereinen und Gruppen betrieben wird, ist keine extremistische Handlung. Jedoch ist es Aufgabe der Sicherheitsbehörden dort hinzuschauen, wo „Prepping“ durch Extremisten betrieben wird und wo gegebenenfalls szenenübergreifende extremistische Netzwerke entstehen. „Prepper“ werden dann ein Fall für den Verfassungsschutz, wenn sie sich nicht mehr nur für den „Tag X“ rüsten, sondern aktiv versuchen, den „Tag X“ herbeizuführen.


eingestellt am 25.07.2018