Ämterhäufung im Rechtsextremismus

Eine NPD-VUP auf ihrem Weg nach oben

Die Jugendorganisation der rechtsextremistischen NPD nennt sich "Junge Nationaldemokraten" (JN). In Brandenburg werden ihr zurzeit etwa 40 Personen zugerechnet. Die JN versuchen den Spagat zwischen NPD und parteifernen, neonationalsozialistischen "Freien Kräften". "Freie Kräfte" sollen durch die JN an die Partei herangeführt und eingebunden werden. Sie dienen der NPD als Hilfstruppen für deren erwünschten "Kampf um die Straße". So will die NPD ihre strukturellen Schwächen ausbügeln. Schließlich kommt sie im Flächenland Brandenburg zusammen mit den JN auf nur 370 Mitglieder. Im Gegenzug gerät die NPD durch "Freie Kräfte" und deren ideologische NSDAP-Orientierung immer tiefer in den Sog der Nazifizierung.

Eine Partei mit erschlafften Strukturen samt versprengter Mini-Jugendorganisation baut gerne Luftschlösser im Internet. Das gilt auch für die Homepage des JN-Bundesverbandes. Dort lässt sich seit wenigen Tagen nachlesen, eine "JN Dahmeland" habe ein "Schulungsseminar" durchgeführt. Mit "weltanschaulichen Grundthesen" hätten sich "junge Anwärter der Jugendorganisation" beschäftigt. Verantwortet wird der Text von einer "Presseabteilung JN Dahmeland". Überraschenderweise kann der Meldung zusätzlich entnommen werden, dass es die "JN Dahmeland" gar nicht gibt.

Diese Ereignisse führen zum "Stützpunktleiter der JN-Lausitz": Pierre Dornbrach. Nach Angaben der Phantom-"Presseabteilung JN Dahmeland" trat Dornbrach als "Referatsleiter" vor die "Anwärter". Doch es kommt noch besser. Er wird ebenso als "der junge Schulungsbeauftragte der JN Brandenburg" präsentiert. Später ist gar vom "Schulungsleiter" die Rede. Offenbar war die "Presseabteilung JN Dahmeland" von diesem Respekt einflößenden Posten-Hopping derart beeindruckt, dass sie den Namen des Vorsitzenden der NPD-Dahmeland, Sven Haverlandt, prompt vergeigte: Aus dem wurde nämlich ein "Haferland".

Mit Pierre Dornbrach drängt ein selbsterklärter NPD-Aufsteiger in die Öffentlichkeit. Sein Streben nach Höherem ist unverkennbar. Laut "Presseabteilung JN Dahmeland" mussten die "Anwärter" Ausführungen zu "ideologischen Verzweigungen des Gleichheitswahns der Internationalisten", "wissenschaftlichen Erkenntnissen im Bereich der Verhaltenspsychologie" und "biologischen Grundkenntnissen" zur "Unterschiedlichkeit der Menschengruppen und Einzelpersonen" über sich ergehen lassen. Solche ideologischen Versatzstücke finden sich in jeder rechtsextremistischen Grabbelkiste, in der ein JN-lein wühlt. An anderer Stelle tritt Dornbrach dagegen klar als Neonationalsozialist hervor und bezeichnet die Bundesrepublik Deutschland auf der Homepage des JN-Bundesverbandes als "Konzentrationslager".

Aktivisten mit einem Hang zu Posten und wohlklingenden Funktionen halten oft Ausschau, was sonst noch so auf dem Markt ist. Dornbrach wird bestimmt fündig werden. Dann klappt es auch mit der NPD-VUP.

V(ery) U(nimportant) P(erson)


eingestellt am 25.07.2011