Trotzkismus

"Entrismus“ oder Auflösungserscheinung?

Trotzkisten berufen sich auf den russischen Revolutionär Leo Trotzki (1879-1940). Für sie ist der Kommunismus auch an der „Bürokratisierung" gescheitert. Dem halten Trotzkisten ihr Konzept der „permanenten Revolution" entgegen.

Die trotzkistischen Gruppen und Parteien stehen abseits und sind zudem auch untereinander zerstritten. Diese Schwäche versucht der Trotzkismus seit seiner Entstehung durch „Entrismus" auszugleichen. Damit wird der Versuch bezeichnet, linksextremistische, aber auch demokratische Organisationen oder Bewegungen heimlich zu unterwandern und von innen heraus Einfluss auf deren politische Entscheidungen zu nehmen.

Kürzlich berichteten die Medien von einer wahrhaften „Entrismus"-Welle, die von trotzkistischen Organisationen ausgegangen sei und die linke wie linksextremistische Gruppierungen erfasst habe. Da die entristische Unterwanderung von Gruppen allerdings darin besteht, Ämter und somit Verantwortung in demokratischen Strukturen zu übernehmen, ist fraglich, ob wirklich von „Entrismus" oder eher von Abwanderung die Rede sein sollte. Denn Verantwortung bedeutet, sich der Realität zu stellen. Für Revolutionsromantik ist da kein Platz mehr. „Das Amt ändert den Menschen schneller als der Mensch das Amt," hat der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer das einmal formuliert. Es sollte verwundern, wenn diese Feststellung nicht auch für Trotzkisten gelten würde.

Im trotzkistischen Spektrum ist in Deutschland „Linksruck" die Gruppierung mit der höchsten Aktions- und Mobilisierungskraft. Die Organisation entstand im Jahr 1994, sie bezeichnet sich selbst als Netzwerk und verfügt bundesweit über 350 bis 400 Mitglieder, in Brandenburg sind es Einzelpersonen. „Linksruck" hat seinen Sitz in Berlin, ist darüber hinaus in zehn deutschen Großstädten vertreten und gehört als deutsche Sektion dem internationalen Dachverband „International Socialist Tendency" (IST) in London an.

Die zweite trotzkistische Gruppierung, die in Brandenburg besteht, ist der „Revolutionär-Sozialistische Bund - IV. Internationale" (RSB, www.rsb4.de), der nach eigenen Angaben in über 50 Ländern aktiv ist. Der RSB ist der Auffassung, die Probleme der Welt wie Krieg, Umweltzerstörung, Arbeitslosigkeit, Verarmung und Hunger wären auf demokratischem Weg und im Rahmen einer freiheitlichen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung unlösbar.

Die vom RSB vertriebene Zeitung „Avanti" erscheint monatlich. Die Namensverwandtschaft mit der von Benito Mussolini 1912-1914 geleiteten Zeitung ist bemerkenswert, denn sie zeigt - wenn auch unfreiwillig - dass rechts- und linksextremistische Haltungen in der Ablehnung der Demokratie übereinstimmen.

Bundesweit gehören dem RSB etwa 90 Mitglieder bzw. Anhänger an. In Brandenburg gibt es eine Ortsgruppe, die sich bundesweit betätigt.