Extremismus online

Wie Extremisten das Internet nutzen

"Verbrennt ihr Fleisch und grillt es mit Sprengfallen an Autos, zerschmettert ihre Glieder mit Bomben und lasst mit Scharfschützen die Höllen in ihrem Herzen toben." Dieser Eintrag auf der islamistischen Webseite "Globale Islamische Medien-Front" (GIMF), macht deutlich, was an menschenverachtendem Gedankengut von extremistischen Gruppierungen im Internet vertreten wird. Auch Rechtsextremisten rufen im Netz zur Gewalt gegen „Zecken" und Ausländer auf und linksextremistische Websites zitieren gerne einmal das Lied der Punkgruppe „Slime" in dem es unter anderem heißt: „Dies ist ein Aufruf zur Revolte, dies ist ein Aufruf zur Gewalt. Waffen klau'n, Bomben bau'n, den Bullen auf die Fresse hau'n!"

Internet als Ort der politischen Auseinandersetzung
Extremistisch motivierte Aufrufe zur Gewalt sind nur eine Seite des Umgangs demokratiefeindlicher Gruppen mit dem Internet. Viele nutzen es auch als Mitteilungsorgan für die eigenen Mitglieder und ihr Sympathisantenumfeld. In dieser Funktion verdrängt das Internet sukzessive Mitgliederzeitschriften und -magazine, die extremistische Bestrebungen früher zur Indoktrination der eigenen Anhänger und zur Rekrutierung neuer Extremisten nutzten. Viele extremistischen Parteien und Splittergruppen, seien es rechtsextremistische Kameradschaften, seien es Parteien und Vereine verfügen mittlerweile über eigene Webseiten.

Internetforen und Mitgliederseiten sind zunehmend der Ort der internen ideologischen Auseinandersetzung, aber auch des Streits mit anderen politischen Ausrichtungen. So erfährt neben den anderen Formen der politischen Auseinandersetzung das so genannte „Hacking" eine zunehmende Beliebtheit insbesondere in der linksextremistischen Szene. Hacker kapern dabei rechtsextremistische Webseiten und verpassen ihnen ein neues Design und neue Inhalte. So kann z.B. ein Aufruf zu einer rechtsextremistischen Demonstration zu einem Aufruf zur Gegendemonstration umformuliert werden.

Extremistische Nachrichtenvermittlung
Andere Gruppen wiederum machen sich die Kurzlebigkeit des Internet zunutze und richten Seiten ein, die mitunter nur für Stunden online zu finden sind. Insbesondere islamistischen Extremisten steht so eine schnelllebige Kommunikationsplattform zur Verfügung, wie sie Ende der 90er Jahre eher im rechtsextremistischen Lager in Form der „Nationalen Info-Telefone" üblich waren. Noch vor wenigen Jahren funktionierten diese „NITs" über Anrufbeantworter, über die szenerelevante Informationen weitergegeben werden konnten. Diese Technik ist mittlerweile überholt.

Nach Umfragen aus dem Jahre 2006 entfallen bereits mehr als 15 Prozent der Medienzeit auf das Internet. Die klassischen Medien, insbesondere die Zeitungen, verlieren dem gegenüber an Bedeutung. Wer sich also an der Bildung der öffentlichen Meinung beteiligen möchte, hat über das Internet einen erleichterten Zugang zu öffentlichen Debatten. Das linksextremistisch beeinflusste Internetforum „indymedia" versteht sich als eigene Newsagentur, über die an Presse und offiziellen Verlautbarungen vorbei eigener Perspektiven auf Ereignisse veröffentlicht werden.


Verwicklungen und Verlinkungen
Die Möglichkeit der Verlinkung voneinander unabhängiger Webseiten eröffnet auch für den flüchtigen Betrachter neue Perspektiven auf extremistische Einstellungen. Das ist dann der Fall, wenn z.B. Rechtsextremisten den von islamistischen Webseiten propagierten Antisemitismus und Antiamerikanismus aufgreifen, oder wenn Islamisten auf das antisemitische Propagandamaterial von Rechtsextremisten zurückgreifen.

Über andere Sympathielinien, z.B. zwischen parteilich organisierten Rechtsextremisten und Neonazis, erfährt man, wenn man sich z.B. die Webseite des NPD-Kreisverbandes Barnim ansieht, der unter anderem zu den Seiten des „Nationalen Widerstandes Berlin-Brandenburg", des „Nationalen Widerstandes Bernau" und der „Brandenburger Aktionsfront" verlinkt. Manchmal sagt ein Link mehr als tausend Worte.