Demonstration im Doppelpack

Neonazis marschierten in Hoyerswerda und Cottbus auf

Etwa 200 Rechtsextremisten demonstrierten am Samstag Abend in Cottbus gegen die EU-Ost-Erweiterung und dafür, dass "deutsche" Arbeitsplätze erhalten und geschaffen werden. Rund die Hälfte von ihnen hatte bereits am Nachmittag in Hoyerswerda einen demonstrativen Auftritt absolviert. Da waren es noch etwa 250 bis 300 Personen.

Die einheimische Hälfte der Demonstranten, die nur in Cottbus auf die Straße gehen wollte, musste stundenlang auf ihre Kameraden aus Hoyerswerda warten und sich das Pfeifkonzert der Gegendemonstranten anhören, denn mit der Koordination der beiden Demonstrationen wollte es nicht so recht klappen.

Symbolischer Kehraus in Cottbus

In Hoyerswerda bekundeten etwa 250 Gegendemonstranten still ihre Missbilligung.
 
In Cottbus gestaltete sich die Lage schwieriger. Der verspätete Beginn der Neonazi-Demonstration brachte den ganzen Zeitplan der Gegenaktionen durcheinander. Im Cottbuser "Gladhouse" fand eine angemeldete Versammlung der linken, teils auch linksextremistischen Szene statt, in der Lutherkirche versammelten sich die bürgerliche Kräfte, die einem Aufruf des Aktionsbündnisses "Cottbuser Aufbruch" gefolgt waren.

Kaum hatte sich der Demonstrationszug der Rechtsextremisten in Bewegung gesetzt, wurde er bereits von etwa 100 Gegendemonstranten blockiert. Vereinzelt wurden Steine geworfen. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein. Zwölf Personen wurden in Gewahrsam genommen. Gegen zwei Rechtsextremisten wurde Anzeige wegen Verwendens verfassungswidriger Kennzeichen erstattet.

Schließlich liefen, begleitet von einer Kehrmaschine, 120 Gegendemonstranten, manche von ihnen hatten Besen mitgebracht, die Demonstrationsroute der Rechtsextremisten ab und kehrten symbolisch den "braunen Unrat aus der Stadt".

Worchs Demonstrationseifer ist ungebremst

Aufgerufen zu der Doppeldemonstration hatte wieder einmal der Hamburger Neonazi-Kader Christian Worch. Er ist der Initiator einer regelrechten Demonstrationskampagne. Vor allem in den letzten drei Jahren hat er eine Vielzahl von Demonstrationen angemeldet und sie gegen polizeiliche Demonstrationsverbote gerichtlich durchgesetzt.

Allerdings neigt er dazu, seine Kameraden zu überfordern. Immer häufiger macht sich in der rechtsextremistischen Szene eine gewisse Demonstrationsmüdigkeit breit, für die er verantwortlich gemacht wird. Das ficht ihn anscheinend aber wenig an. Nur eine Demonstration am Tag scheint seinen Eifer nicht mehr zu befriedigen.

Immerhin findet er unter führenden Szene-Aktivisten von Fall zu Fall Verbündete. So sah man in Cottbus auch den Bundesvorsitzenden der "Bewegung Deutsche Volksgemeinschaft", Lars Käppler aus Heilbronn, und den Vorsitzenden des "Märkischen Heimatschutzes", Gordon Reinholz, mit einigen seiner Gefolgsleute.