Katze aus dem Sack

Mitgliederwerbung bei der NPD

Seit einigen Monaten wirbt die NPD-Monatszeitung "Deutsche Stimme" um neue Abonnenten. Damit erhofft sich die Partei zugleich einen Zuwachs an Mitgliedern. Die Kampagne läuft zweigleisig.

Zum einen knüpft sie an antisemitische Vorurteile an und schürt sie mit dreisten Warnungen etwa vor den "unverschämten finanziellen Forderungen der zionistischen Lobby", der massiven "Landnahme von Fremden in unserem Vaterland" oder den "immer skrupelloser von der amerikanischen Ostküste vertretenen Weltherrschaftsgelüsten". Die NPD will, dass "Michel Friedman und Paul Spiegel das Lachen vergeht".

Auf diese Weise bemüht sich die "Deutsche Stimme" um die "Korrektur des von den Herrschenden einseitig vermittelten und oftmals manipulierten Geschichtsbildes". Dass sie damit auf eine grundlegende Kritik am "System" zielt, soll der unbedarfte Interessent aber nicht sofort bemerken. Erst einmal soll er eingewickelt werden!

Nicht mit der Tür ins Haus fallen

Udo Voigt, der NPD-Bundesvorsitzende, begleitet die mehrmonatige Abo-Kampagne der "Deutschen Stimme", mit praktischen Hinweisen. Er weiß, dass man "nicht immer gleich mit der Tür ins Haus fallen muß". Die "umerzogenen" Bürger, die möglicherweise "nationalen Begriffen" skeptisch gegenüber stehen, seien für die Ideen der NPD nicht auf Anhieb empfänglich. Deshalb, so Udo Voigt, dürfe man nicht gleich "mit dem Reizwort 'N' (...) beginnen", da dann die "anerzogene Denkblockade" der Bürger "nicht überwunden werden kann und das Gespräch meist abbricht".

Der Bundesvorsitzende rät: "Ich muß also immer erst durch meine Person und meine Argumentation überzeugen und dann als 'Aha-Erlebnis' die Katze aus dem Sack lassen und mich zur NPD bekennnen."

Sicher und gepflegt

Wer sein Produkt oder seine Idee verkaufen will, blufft gerne ein wenig - diese Werbestrategie ist keineswegs auf Extremisten beschränkt. Wenn aber demokratiefeindliche Parteien sie anwenden, ist besondere Vorsicht geboten.

Die NPD will ja nicht Staubsauger an den Mann oder die Frau bringen, sondern "Veränderungen in einem besetzten Land" herbeiführen (Udo Voigt in der September-Ausgabe der "Deutschen Stimme"), genauer: die "nationale Wiedergeburt Deutschlands" (Chefredakteur Holger Apfel in der August-Ausgabe). Sie wirbt für eine verfassungsfeindliche Ideologie, damit am Ende das "System" durch einen "organisierten Willen" hinweggefegt werde.

Durch die Werbekampagne sollen mit "Intelligenz, Begabung und Fingerspitzengefühl" neue Leser als "geistige Soldaten" gewonnen werden - von Werbern, die sich "durch sicheres, gepflegtes Auftreten auszeichnen".

Doch nicht auf die Verpackung sollte man achten, sondern auf den Inhalt.