Guck mal, wer da spricht!

Die National-Zeitung bemüht sich um illustre Interviewpartner

National ZeitungWas haben Peter Ustinow, Boutros-Boutros Ghali, Menachem Klein und Gore Vidal gemeinsam? Sicherlich das eine: Keiner von ihnen ist ein ausgewiesener Antisemit oder gar Rechtsextremist. Aber noch ein zweites: Die National-Zeitung/Deutsche Wochenzeitung (NZ) hat Interviews mit ihnen abgedruckt. Wussten ihre Interviewpartner, mit wem sie es zu tun haben?

Antisemitismus, Revanchismus und Verschwörungstheorien

Die vom Chef der Deutschen Volksunion (DVU), Gerhard Frey, wöchentlich herausgegebene NZ ist mit etwa 45.000 Exemplaren die auflagenstärkste Publikation im Rechtsextremismus. Sie bemüht sich bekanntermaßen nicht um eine ausgewogene Berichterstattung. Schimpftiraden gegen den angeblich korrupten Staat und die sogenannten Systemparteien wechseln sich mit Artikeln ab, die ihren antisemitischen Duktus kaum oder nur notdürftig verbergen. Die NZ arbeitet geschickt mit antisemitischen Anspielungen, ohne je die Schwelle zur Strafbarkeit zu überschreiten. Deutsche Kriegsverbrechen werden geleugnet oder als kriegsnotwendige Maßnahmen umgedeutet, aber der alliierte Bombenkrieg anklagend beschworen. Verschörungstheorien (z.B. "Wer steckt hinter Busch? Wichtigster Mann der Welt nur Marionette") finden hier ihr publizistisches Zuhause.

Inseln der Seriosität?

Inmitten unseriös gemachter Artikel auf Interviews mit bekannten Intellektuellen und Politikern zu stoßen, erstaunt auf den ersten Blick. Mit Vorliebe werden US-Amerikaner interviewt, aber auch israelische Würdenträger und Professoren. Bei besonders namhaften Interviewpartnern, wie z.B. Gore Vidal, der im Februar 2003 zu Wort kam, lässt es sich Herausgeber Frey nicht nehmen, selbst die Fragen zu stellen. Doch schon die Auswahl der Fragen, die sich im Übrigen bei den meisten Gästen der NZ wiederholt, zeigt sicht, dass man an umfassenden, komplexeren Antworten kaum interessiert ist.

Offenbar steckt hinter den Interviews der Versuch der NZ, sich ihren Lesern gegenüber einen seriösen Anstrich, ein gewisses Renommee zu verschaffen. Wie überhaupt in der rechtsextremistischen Szene zu beobachten ist, hat die NZ insbesondere den Irakkrieg zum Anlass genommen, um um größere Akzeptanz zu werben. So ist es sicherlich kein Zufall, dass neben dem Interview mit dem US-amerikanischen Medienkritiker Normon Solomon im März folgende Anzeige zu finden ist: "Wenn Sie gegen Krieg und Massenmord sind ... dann müssen Sie jetzt die National-Zeitung in der größtmöglichen Anzahl verbreiten".

Der Hauptgrund aber dürfte sein, dass die NZ den Vorwurf antisemitisch und aggressiv nationalistisch zu sein, entkräften und mit dem Hinweis begegnen will: Sieh, wir haben gar nichts gegen Ausländer und Juden, wir reden sogar mit ihnen und sie mit uns.
Dass ihre Gesprächspartner kaum wissen dürften, von wem und wozu ihre Namen benutzt werden, wen interessiert es?