Bundeswehrjeeps brennen aus

Noch ein Anschlag der "militanten gruppe"

Feuerschein in der Nacht: Vor einem Mercedes-Autohaus in Petershagen bei Strausberg brennen zwei Jeeps der Bundeswehr aus. Schnell stellt sich heraus, dass die Wagen mit Brandsätzen angegriffen worden sind. Wer kommt als Täter in Frage?

Das "Abfackeln" von "Karossen" ist als übles Handlungmuster von militanten Linksextremisten unrühmlich bekannt. Meist richten sich solche Anschläge gegen prominente Personen aus Politik, Verwaltung oder Wirtschaft oder gegen Behörden bzw. Firmenniederlassungen. Nun auch gegen die Bundeswehr?

Die Mutmaßungen wurden zur Gewissheit, als ein Bekennerschreiben der "militanten gruppe" (mg) auftauchte.

Als "politische Notwendigkeit" gerechtfertigt

"Militante Aktionen gegen die Logistik und Technik" der Bundeswehr "sowie gegen Einrichtungen eines der größten Rüstungskonzerne der Welt" seien für die "radikale Linke in der BRD" eine "politische Notwendigkeit". Begründet wird diese Behauptung damit, dass "die BRD bzw. hier ansässige Konzernzentralen" zu "Kriegsparteien rund um den Globus avanciert" seien. 

Damit ist die Argumentationsstrategie des Bekennerschreibens vorgegeben: Der Anschlag gelte jenen, die Mitschuld am drohenden Irak-Krieg trügen. Denn der DaimlerChrysler-Konzern profitiere davon, dass er die "deutsche Kriegsmaschinerie" funktionsfähig halte. Und die Bundesrepublik gebe sich derzeit nur friedfertig, tatsächlich aber sei sie, auch unter der jetzigen Regierung, nur weiter militarisiert worden und scheue nicht vor militärischen Interventionen, beispielsweise in Jugoslawien und Afghanistan, zurück. Die Bundeswehr - der gleichen Tradition verpflichtet wie die "faschistische Wehrmacht" - beteilige sich deshalb aktiv an "imperialistischen Aggressionen".

Frühere Anschläge der mg, beispielsweise gegen ein Sozial- und ein Finanzamt in Berlin oder gegen eine Firmenniederlassung in Brandenburg, hätten allesamt, ebenso wie der jetzige, die "herrschenden sozialtechnokratischen und imperialistischen Stoßrichtungen" thematisiert.

Durch Klassenkampf zum Kommunismus

Schon diese wenigen Zitate geben einen Eindruck davon, wie die mg nach bekannter Agitations-Manier die unterschiedlichsten sozialen, wirtschaftlichen und politischen Phänomene und Entwicklungen der Gegenwart in das Korsett ihrer grobschlächtigen Welterklärungstheorie zwängt. Letzlich laufen alle Argumentationsketten, wie auch immer ihre Glieder aussehen mögen, auf ein und dasselbe Ende hinaus: Alle Erscheinungsformen und Spielarten des Kapitalismus und seiner staatlichen Agenturen sind vom Übel und müssen mit militanten Aktionen bekämpft werden.

Darum heißt im Bekennerschreiben das erklärte Nahziel, den internationalen Klassenkampf zu organisieren, und das Fernziel, den Kommunismus zu errichten.

Auch gegen Personen

Wahrnehmungen der Realität stören dieses Weltbild nur und finden in ihm keinen Platz. Bezeichnend aber ist, dass denn doch ganz bestimmte Einzelpersonen ins Visier genommen werden, denen augenscheinlich der gebündelte Hass der mg gilt: Außenminister Joschka Fischer und Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm.
Der letztere wird als militaristischer Hardliner verunglimpft.

Eine der Schlusslosungen des Schreibens lautet charakteristischerweise: "Kriegstreiber und -gewinnler angreifen".

So lange die Akteure der mg nicht gefasst sind, muss man sich auf weitere verbrecherische Anschläge gefasst machen.

Wirkungsmechanismen

Allerdings beklagt die mg nicht ohne Grund, dass einige ihrer Anschläge misslungen und andere totgeschwiegen worden seien. Ihr komme es aber auf größtmögliche Wirkung an: materiell und medial. Ein erfolgreicher Anschlag sei nur der, über den auch geredet werde.

Möglicherweise verrechnet sich die mg dabei aber. Es mag sie frustrieren, wenn ihr Treiben niemand beachtet. Aber auch wenn sie Beachtung findet, erntet sie nicht die Früchte, die sie sich erhofft. Denn sinnlose Anschläge, die nur plump mit billigen Theorieversatzstücken begründet werden, stoßen nicht nur alle Demokraten ab - die ja ohnehin -, sondern selbst potenzielle Sympathisanten aus linksradikalen Kreisen. So sorgt die mg eher für eine Demobilisierung als für eine Mobiliserung unter denen, die sie für ihre Ziele gewinnen will.