Linksextremisten zündeln

Versuchter Brandanschlag in Berlin

Ein Brandsatz, bestehend aus zwei Benzinkanistern, zwei Gasflaschen und einer Zündschnur, wurde am 5. Juli an einem Nebengebäude des Berliner Schlosses Schönhausen gefunden. Dort wird die  Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) einziehen - ihr galt dieser versuchte Brandanschlag. Das geht aus einem Bekennerschreiben hervor, das Tage später bei einer Berliner Tageszeitung einging und dort mit einem Kurzbeitrag bedacht wurde. Unterschrieben war es von einer Gruppe, die sich "revolutionärer aufbau" nennt.

Auch in Brandenburg kam es in der Vergangenheit zu linksextremistisch motivierten Brandanschlägen. Gibt es Zusammenhänge mit dem jüngsten Vorfall?

"Feuer und Flamme"

In Brandenburg schlugen militante Linksextremisten zuletzt im Februar 2003 zu, als sie zwei Bundeswehrjeeps in Petershagen-Eggersdorf anzündeten. Ein halbes Jahr zuvor wurde auf das Auto eines Potsdamer Mitglieds der Hartzkommission ein Brandanschlag verübt. Aufgeklärt wurden diese Anschläge und weitere in Berlin bisher nicht. Die Tatumstände und die Texte der Bekennerschreiben verraten aber in mehreren Fällen bemerkenswerte Ähnlichkeiten. Bei der Suche nach den Tätern helfen solche Spuren weiter. Die wechselnden Gruppennamen hingegen sollen eher in die Irre führen.

"Feuer und Flamme für diesen Staat!" Diese Losung dient linksextremistischen Gruppierungen oftmals als Motto für ihre Brandanschläge. Sie stellen damit klar, dass sie nicht nur eine bestimmte Person oder eine spezielle Einrichtung treffen wollen, sondern zugleich den Staat insgesamt.

Feuer wird bei solchen Anschlägen als eine Waffe benutzt, die sich recht leicht einsetzen lässt, ihre eigenen Spuren vernichtet und zugleich großen Schaden anrichten kann. Feuer hat vor allem bei Linksextremisten aber noch einen bestimmten Symbolcharakter: Es versinnbildlicht die Revolution, die das "schlechte Alte" restlos verzehrt.

Rücksicht auf "Unbeteiligte"?

Innerhalb der Szene ist der Einsatz von Feuer als Waffe allerdings nicht unumstritten. Manche Autonome meinen, insbesondere bei Straßenschlachten mit der Polizei würden mitunter Autos vollkommen "Unbeteiligter" angezündet, die dann keinen Versicherungsschutz genössen. Anderen ist diese Unterscheidung unwichtig, da alle Autobesitzer Nutznießer des kapitalistischen Systems seien und deshalb niemand "unbeteiligt".

Brandanschläge haben bei militanten Linksextremisten Tradition. Sie berufen sich  auf den "historischen" Anschlag italienischer Arbeiter auf das Auto ihres Arbeitgebers 1980 in Genua. Auch der Molotow-Cocktail, von Autonomen oft liebevoll "Molli" genannt, gehört zum linksextremistischen Spiel mit dem Feuer.

Appelle

In ihrem jüngsten Bekennerschreiben empören die Urheber sich gegen die deutsche Sicherheitspolitik, der sie unterstellen, Angriffskriege zu planen. Zudem sei insbesondere die BAKS mit der Ausschaltung von Widerstand in Deutschland beschäftigt.
 
Am Ende ihres Schreibens reihen die Bekenner, wie üblich, einige bekannte Losungen auf, z. B. "Feuer + Flamme für diesen Staat" und "Nieder mit dem Kapitalismus". Kaum weniger allgemein ist die Forderung "Freiheit für alle linken politischen + sozialen Gefangenen". Allerdings hat sie, neben aktuellen Anlässen, gerade jetzt auch einen besonderen Symbolwert: Zehn Jahre nach der Überwältigung von RAF-Terroristen in Bad Kleinen bezieht sich die Diskussion der Autonomen um Militanz wieder verstärkt auf die Methoden und die Bedeutung der "Rote Armee Fraktion". Der Appell "bildet Banden!" schließlich fordert Szeneaktivisten zur Nachahmung auf.

Hätte sich der an der BAKS gelegte Brandsatz entzündet, wären Menschenleben in Gefahr geraten. Dabei wären wohl in erster Linie Bauarbeiter zu Schaden gekommen, denn das Gebäude wird zur Zeit umgebaut. So viel zur proletarischen Solidarität der potenziellen Brandstifter ...