Extremismus-Ausstellung in Kleinmachnow

Seit heute präsentiert sich in der evangelischen Kirche von Kleinmachnow die Ausstellung "Es betrifft dich! Demokratie schützen - Gegen Extremismus in Deutschland". Sie wird dort bis zum 6. Juni zu sehen sein.

Die Multi-Media-Schau des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) reist seit Frühjahr 2000 durch Deutschland. Erfolgreich hat sie bereits unter anderem in Cottbus, Lübbenau und Neuruppin gastiert. Sie will jüngere Besucher, Schulklassen, aber auch Lehrer und Erzieher, Medienvertreter und alle politisch interessierten Bürger ansprechen.

Worin sich Verfassungsschutz und Stasi unterscheiden

Zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung hatten sich zahlreiche Interessenten in der Kirche versammelt. Der Diakon der Kirchengemeinde, Herr Bindemann, hatte sie eingeladen. Er ist auch Beauftragter Kleinmachnows gegen Rechtsextremismus und Gewalt. Ihm war die Idee gekommen, die Ausstellung des BfV in das Gotteshaus zu holen.

Bürgermeister Blasig machte keinen Hehl aus seinen zunächst gegensätzlichen Gefühlen und Gedanken: Das Wort "Verfassungsschutz" wecke ungute Erinnerungen an die Praktiken der Staatssicherheit. Auch in der evangelischen Gemeinde Kleinmachnow wurde zu DDR-Zeiten geschnüffelt. Doch schließlich habe er die Idee, den Verfassungsschutz einzuladen, für gut befunden. Es ist eben ein Unterschied, ob ein Nachrichtendienst die Demokratie gegen ihre Feinde verteidigt und dazu den offenen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern sucht oder ob er ihre Gesinnung ausforscht, um sie und ihre Freiheit zu unterdrücken.

Superintendent Sommer begründete theologisch, dass die Werteordnung der freiheitlichen Demokratie, die Menschenwürde und die Gleichheit vor dem Gesetz, letztlich auf dem christlichen Menschenbild beruhe.

Zuletzt ergriff Herr Steinhaus, Leiter der Abteilung Linksextremismus im BfV, das Wort. Er wies noch einmal auf die gesetzlich beschränkten Kompentenzen des Verfassungsschutzes hin. So  haben Verfassungsschützer keinerlei polizeiliche Befugnisse, können also niemanden verhaften, durchsuchen oder verhören. In groben Zügen skizzierte er, womit sich der Verfassungsschutz beschäftigt. In den 70er und 80er Jahren habe er sich auf die Beobachtung des Linksterrorismus konzentriert, in den 90er Jahren auf den Rechtsextremismus. Aber spätestens seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ist klar: Die Hauptgefahr geht gegenwärtig vom islamistischen Terrorismus aus.

Bilder einer Ausstellung

Die Ausstellung umfasst acht sogenannte Fokuspunkte. Das "Portal der Freiheit" hinter sich lassend, überschreitet der Besucher die Schwelle zum Extremismus. Der wird in seinen drei Erscheinungsformen Rechts-, Links- und Ausländerextremismus vorgestellt.

Der Weg führt an großflächigen Schautafeln vorbei. Bildschirme, die auf Berührungen reagieren, erlauben einem jeden, sich zu Einzelthemen sachkundig zu machen. Exponate wie Propagandamaterial, Waffen und mannshohe Puppen machen Hass und Verachtung, von denen sich Extremisten leiten lassen, sinnlich erfahrbar.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine Blackbox. Der Besucher betritt einen dunklen Raum, sieht eine ganze Galerie von Opferportraits und schaut überraschend in einen Spiegel: Er selber könnte zum Opfer werden! Die Erkenntnis eigener Betroffenheit wird im historischen Teil der Ausstellung weiterentwickelt: Der Rückblick auf die beiden deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts sensibilisiert für die Verwundbarkeit der Freiheit und weckt die Bereitschaft, die Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung gegen ihre Feinde zu verteidigen.

Bevor der Besucher durch ein Tor "in die Freiheit" entlassen wird, kann er sich anhand eines Berührungsmonitors umfassend über die Fundamente der wehrhaften Demokratie und über den Verfassungsschutz als eines ihrer Elemente informieren. Doch - so wissen die Aussteller -"der beste Verfassungsschützer ist immer der kritische, aufgeklärte und für die Demokratie engagierte Bürger".

Wen die Ausstellung dazu animiert hat, sich intensiver mit den Gefahren für den demokratischen Rechtsstaat auseinanderzusetzen, der kann sich gleich an Ort und Stelle mit zahlreich ausliegendem Informationsmaterial kostenlos eindecken.

Hinweise für Interessenten

Die Ausstellung in der Evangelischen Kirchengemeinde Kleinmachnow, Jägerstieg 2, ist montags, mittwochs und donnerstags von 9.00 bis 16.00 Uhr, dienstags von 9.00 bis 18.00 Uhr und freitags von 9.00 bis 12.00 Uhr geöffnet.

Neben der hier gezeigten Extremismusausstellung bietet das BfV auch die spezielle Rechtsextremismuspräsentation "Demokratie ist verletzlich - Rechtsextremismus in Deutschland" an. Städte, die sich für eine dieser Ausstellungen interessieren, können direkt beim Bundesamt oder durch Vermittlung der brandenburgischen Verfassungsschutzbehörde Vorbestellungen aufgeben. Mit Wartezeiten ist allerdings zu rechnen. Die Kontaktmöglichkeiten werden durch die unteren Links angezeigt.