ETA reorganisiert

Neue Drohungen der baskischen Terrororganisation

In Frankreich wurden mehrere, zum Teil führende, ETA-Mitglieder zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Einem von ihnen, einst über Jahre der mächtigste ETA-Chef, droht in Spanien ein weiteres Verfahren, u. a. mit dem Vorwurf eines Mordkomplotts gegen den spanischen König.

Den spanischen und französischen Sicherheitsbehörden war es in letzter Zeit gelungen, Teile des ETA-Militärapparates zu zerschlagen. Niedergerungen aber ist die ETA noch keinesfalls. Nach Erkenntnissen von Sicherheitsexperten hat sie sich sogar jüngst reorganisiert. Denn sobald Attentäter gefasst und verurteilt werden, treten neu rekrutierte Mitglieder in deren blutige Fußstapfen.

Terror reißt nicht ab

Seit Jahren verbreitet der Name "Euskadi ta Askatasuna" (ETA), auf deutsch "Baskenland und Freiheit", Angst und Schrecken. Denn diese 1958 gegründete Untergrundorganisation will mit mörderischem Terror die politische Selbstständigkeit des Baskenlandes erzwingen.
 
Dass die ETA immer noch oder schon wieder handlungsfähig ist, beweisen nicht zuletzt aktuelle Drohungen der Separatisten, Anschläge auf spanische Feriengebiete zu verüben. "Die Tourismus-Industrie ist ein militärisches Ziel", heißt es in einer Erklärung der ETA. In den vergangenen Jahren befand sich die spanische Mittelmeerküste - von der ETA zum "Kriegsgebiet" erklärt - gerade während der Sommermonate schon mehrfach im Visier von Bombenlegern.

Außerdem fiel vor wenigen Tagen im Baskenland ein Polizist einem tödlichen Schuss zum Opfer. Die Tat wird der ETA zugeschrieben.

Im Januar bereits war in Nürnberg ein mit internationalem Haftbefehl gesuchter und als ETA-Mitglied geltender Spanier verhaftet worden. Er soll nicht nur an einem Attentat auf einen Militärstützpunkt beteiligt gewesen sein, sondern auch Drohbriefe an Botschaften geschickt haben, in denen vor Anschlägen auf spanische Feriengebiete gewarnt wurde.

Basken wehren sich gegen Druck der ETA

Immer wieder protestieren auch in baskischen Städten - so nach dem jüngsten Polizistenmord - Tausende gegen den Terror der ETA. Aktuelle Umfragen in der Region bestätigen: Die deutliche Mehrheit der Basken will keinesfalls ein eigenes Staatswesen.  Aber eine starke Minderheit unterstützt offen oder heimlich die ETA. Deren Einfluss reicht bis in die Verwaltungen, da sie mit Morddrohungen Widerstrebende einzuschüchtern weiß.

Oft genug ist der Drohung auch die Schreckenstat gefolgt. Die Anschläge der ETA gegen Politiker, Beamte, Militärs und andere kosteten bisher mehr als 800 Menschenleben.

Protesterklärung der "Roten Hilfe"

Hilfe und Unterstützung wird der ETA auch aus anderen Ländern zuteil.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Augsburg erhärteten jetzt den Verdacht, dass mehrere Millionen Euro aus dem Zigarettenschmuggel über Schweizer Banken gewaschen und vermutlich der ETA zur Verfügung gestellt wurden.

Einzelne Linksextremisten aus Deutschland haben die ETA bei ihren Terroraktionen logistisch oder sogar als mutmaßliche Mittäter unterstützt.
 
Die linksextremistische Gefangenenhilfsorganisation "Rote Hilfe" bekennt sich offen zur Solidarität mit ETA-Mitgliedern und -Unterstützern, beschränkt sich aber auf Deklarationen. In einer Protesterklärung gegen die beabsichtigte Auslieferung des in Nürnberg verhafteten vermutlichen ETA-Terroristen fordert sie dessen sofortige Freilassung.