Spannungen im Rathenower Jugendmilieu

Konfrontation von Antifa und Antifa-Gegnern

Nach "rechts" oder "links" sortieren sich viele junge Leute selber ein; die andern heißen für sie dann "Faschos" oder "Zecken". In Rathenow hat sich diese Konfrontation seit Jahren verfestigt. Beteiligt an ihr sind Schläger aus der Skinhead-Szene wie militante Krawallmacher der Antifa; aber neben diesen Extremisten auch eher unpolitische Jugendliche, die sich nur wegen subkultureller Trends als Feinde der "andern" definieren, oder politisch Aktive, deren Erregbarkeit größer ist als ihre Urteilskraft. 

Mit einer Spontandemonstration unter dem Motto "Wir fordern ein drastisches Vorgehen gegen den Nationalsozialismus und Ausländerhass" traten diese Spannungen erneut zutage. Anlass waren nach Angaben der "Antifaschisten Front Rathenow" und der "Antifaoffensive Westhavelland" gewalttätige Übergriffe auf Hopper, Skater und Punks in jüngster Zeit. Rasch fanden sich Angehörige der Gegenszene ein. Die Polizei verhinderte Gewalttaten.

Fotos und Fäuste als Kampfmittel

Die feindlichen Beobachter des Aufzugs sollen versucht haben, Fotos zu schießen. Dergleichen gehört zum Ritual der Auseinandersetzungen.

Ähnlich verhielt es sich bereits, als am 15. Juni 2002 eine Demonstration zum Thema "Wegsehen war schon immer Scheiße - Gegen den rassistischen Konsens vorgehen! Nazistrukturen zerschlagen!" durch Rathenow zog. Damals waren auch Aktivisten der "Antifaschistischen Aktion Berlin" angereist, die für ihre Militanz berüchtigt ist. Rechtsextremistisch orientierte Rathenower, die sich provokant in deren Blickfeld schoben, wurden mit Bierflaschen und anderen Gegenständen beworfen. Wie selbstverständlich wurden auch Polizisten attackiert.

Auch am 6. September 2002, am Rande des Stadtfestes, eskalierten die Auseinandersetzungen. Wieder konnte die Polizei verhindern, dass verbale Beschimpfungen in eine Schlägerei ausarteten.

Was Fotodokumentationen angeht, ist allerdings die Antifa ihren Gegnern um Längen voraus. Sie sammelt mit Eifer und Fleiß Bilder und Daten von vermeintlichen oder tatsächlichen Rechtsextremisten in Rathenow und publiziert sie von Fall zu Fall. Viele der detailreichen Angaben treffen zu, etliche auch nicht oder nicht mehr.

Wachsamkeit ist möglich!

Unbestreitbar ist freilich, dass die militanten Gruppierungen junger Rechtsextremisten in Rathenow, die von Hass auf Ausländer und "Linke" geprägt sind, eine scharfe Beobachtung verdienen. Dafür sind die staatlichen Sicherheitsbehörden da.

Wachsamkeit ist aber nicht nur eine Beamtenpflicht, sondern auch eine Bürgertugend. Deshalb tun die Rathenower gut daran, wenn sie bei solchen Auseinandersetzungen nicht wegschauen, sondern den jungen Leuten ins Gewissen reden, solange diese für Argumente und bessere Einsicht noch offen sind.

Wer dafür nicht mehr erreichbar ist, muss anders in die Schranken gewiesen werden. Schlägereien sollten von den Opfern und von Augenzeugen auf jeden Fall bei der Polizei angezeigt werden. Die Auflistung solcher Fälle in eigenen Dokumentationen bringt nichts, wenn die Strafverfolgungsbehörden nicht informiert werden.