Bekennerschreiben eingeschickt

Molotowcocktail sollte Auto zerstören

Bei einer Presseagentur in Berlin landet ein Bekennerschreiben: "wir haben den pkw-fuhrpark eines moduls der hartz-kommission (...) verkleinert. 15.8.02 autonome gruppen".

Damit hellt sich der Hintergrund für einen Vorfall auf, der zunächst rätselhaft schien. Tatsächlich war Tage zuvor am Auto eines Mitglieds der Hartz-Kommission, das in Potsdam wohnt, ein Molotowcocktail entdeckt worden: eine Kunststoffflasche mit einer benzinartigen Flüssigkeit und einem Zünder. Allerdings schlug der beabsichtigte Anschlag fehl.

Die "autonomen gruppen" halten es offenbar für eine sozialrevolutionäre Heldentat, wenn sie eine - menschenverachtend als "Modul" bezeichnete - Person angreifen, die an neuen arbeitspolitischen Vorschlägen mitwirkt.
Immer wieder während der letzten Jahre haben die "autonomen gruppen" in der Region Berlin/Brandenburg Anschläge begangen, die schwere Sachschäden nach sich zogen und Menschen verletzten oder gefährdeten.

Besonders oft haben sie, um gegen CASTOR-Transporte zu protestieren, Hakenkrallen in Bahnoberleitungen eingehängt, zuletzt am 23. Oktober 2001 in Berlin (siehe Link am Textende). Aber sie haben - wie jetzt wieder - auch andere Anlässe für ihr Treiben gesucht. So setzten sie etwa vor drei Jahren in Bernau einen Bus in Brand, weil mit ihm Rechtsextremisten transportiert werden sollten.

Bisher sind die Täter nicht ermittelt. Waren es immer dieselben? Oder Gruppen in wechselnder Zusammensetzung? Auch eine dritte Möglichkeit muss in Betracht gezogen werden: dass die Bezeichnung "autonome gruppen" als Sammelname  unterschiedlicher Tätergruppierungen fungiert. In der Debatte, die in der autonomen Szene bundesweit um Sinn, Möglichkeiten und Grenzen militanter Aktionen geführt wird, kam auch der Vorschlag auf, den Namen "autonome gruppen" immer öfter zu verwenden: "Je mehr Zusammenhänge diesen Namen benutzen, um so grösser auch der Schutz für die anderen."